SCHÖNBERG PFEIFEN (Thomas Marschall/Marino Formenti) ab 12.6. im Kino

Mit Hasan in Gaza

Kürzlich wurden drei MiniDV-Kassetten über das Leben in Gaza 2001 wiederentdeckt. Was als Suche nach einem Mithäftling von 1989 begann, wurde zu einem unerwarteten Nord-Süd-Roadtrip durch Gaza – mit Hasan, einem lokalen Guide, dessen Schicksal unbekannt ist. Eine filmische Reflexion über Erinnerung, Verlust und den Lauf der Zeit, die ein vergangenes Gaza und Menschen zeigt, deren Spuren sich verloren haben.

Spieltermine

Kinostart: 14.08.2026

 

Preview: Viennale, Heimatfilm-Festival Freistadt

Pressespiegel

„Eine erschütternde visuelle Reise durch den Gazastreifen, wie er 2001 existierte.“ Variety

„Der Film lädt uns dazu ein, darüber nachzudenken, wie das Kino Räume bewahren – und vielleicht sogar wiederherstellen – kann, die physisch zerstört wurden, aber in Erinnerung bleiben müssen.“ Cineuropa

„Selten wird Gaza im Kino mit solcher Sorgfalt und Zuneigung betrachtet: der Versuch, den Ort aus der Perspektive eines Nachbarn und Freundes zu verstehen, statt aus der eines Journalisten oder Rettungshelfers.“ Film Comment

★★★★☆„Das Bildmaterial aus Gaza 2001, während der Zweiten Intifada entstanden, zeigt eine Region, in der das Leben manchmal fast unbeschwert verläuft. Kinder spielen am Strand, auf den Straßen der Städte herrscht geschäftiges Treiben, die meisten Häuser stehen noch, wenngleich nicht alle. Einmal klettern Aljafari und Hasan durch Trümmer einer Ruine, in der Ferne sehen sie israelische Soldaten, für deren Gewehre sie ein einfaches Ziel wären. Nachts hört man Detonationen. Friedlich war Gaza 2001 nicht. Während die Mauer, die Israel vom Westjordanland trennt, sich zu diesem Zeitpunkt noch im Bau befand, war der Gaza-Streifen schon abgetrennt, war zu der Enklave geworden, die den Palästinensern in den folgenden Jahren ein normales Leben zunehmend unmöglich machen sollte.“ tipBerlin

„Es klingt seltsam, angesichts eines Dokumentarfilms über Gaza, von der Unschuld von Bildern zu sprechen. Aufnahmen aus Kriegsgebieten begegnen uns in der Regel mit klaren Absichten. Sie belegen Tatsachen wie Zerstörung, Leid und Tod. Dabei kontrolliert die herrschende Kriegspartei die Perspektive. Wenn sie überhaupt ausländische Journalisten ins Land lässt, dann wird sie dafür sorgen, dass nur erwünschte Bilder entstehen können. [...]  Dies ist kein Denkmalfilm über das Gaza, das es nicht mehr gibt. Heute verlorene Kulturdenkmäler finden sich nicht. Doch von dem, was er zeigt, existiert heute wohl kaum noch mehr als der Strand. Erstaunlich, welche Freiheit in seiner Ästhetik steckt. Trotz der vielen Reißschwenks und abrupten Blickwechsel verlangt das Sehen keine besondere Anstrengung, die ungelenkte Kamerabewegung befreit sogar die Wahrnehmung. [...]  Die Emotion bringt allein der Zuschauende ein, im Wissen um den Verlust.“ Frankfurter Runschau

★★★★☆ „Wie der Rest des Films ist [der Epilog] getragen von Wehmut über wiederholtes Displacement und erlebte Verluste, doch hinter den nüchternen Sätzen sind Wut und Zorn über Gewalt, erlittene Erniedrigung und fehlende Perspektiven spürbar. Was mag aus den Kindern geworden sein, die 2001 mit aus ihren Händen geformten V-Zeichen noch fröhlich Siegeswillen und -optimismus in die Kamera signalisierten?“  epd Film

„Es war einmal … Ein Requiem auf ein Land, auf Alltag, auf Leben, auf all das, was es nicht mehr gibt, ist dieser Film. Deshalb wird er gezeigt.“ Indiekino

„Vor dem Hintergrund des aktuellen Israel-Gaza-Kriegs gewinnen die damals aufgenommenen Szenen eine neue Dringlichkeit als Dokumente einer verlorenen Zeit. Ein Großteil der im Bild anwesenden Menschen lebt wahrscheinlich nicht mehr. Die Häuser liegen in Trümmern. „Das ganze Gebiet hier waren Bäume“, sagt Hasan schon 2001. Die gegenwärtige Situation im Gazastreifen schwingt bei der Betrachtung der alten Bilder immer mit – und verleiht dem Dokumentierten Relevanz.“ Filmdienst

Mit Hasan in Gaza dramatisiert das Leid vor Ort nicht, es gibt höchstens mal einen leichten Score. Sondern er zeigt vor allem den Alltag. Wir befinden uns einfach mit Hasan und Aljafari in Gaza im Jahre 2001, wo es die Alten kaum interessiert, ob sie gefilmt werden, während die Kinder nach Fotos betteln und posen. Man fragt sich: Wo sind diese Kinder wohl heute? Auch diese Art von Dokumentarfilm ist ein wichtiges Dokument.“ KinoZeit

„Gerade diese Ästhetik erzeugt eine eigentümliche Spannung. Zu Beginn dominieren scheinbar banale Alltagsszenen: Kinder spielen am Strand, Männer spielen Karten, lachen in die Kamera. Besonders die Kinder drängen sich ins Bild, wollen gesehen werden. Doch je weiter die Fahrt voranschreitet, desto deutlicher tritt die Realität der Besatzung hervor: zerstörte Häuser, Sandsäcke in Fenstern, Panzer an Grenzzäunen. Die Menschen, denen Aljafari begegnet, fordern ihn aktiv auf, die Trümmer festzuhalten. Die Kamera fungiert hier nicht als Voyeur, sondern als Zeuge – sie gibt das stille Versprechen ab, dass das Gesehene nicht dem Vergessen anheimfällt.“ Film-Rezensionen.de

Biografie

Kamal Aljafari ist ein palästinensischer Filmemacher und Künstler. Seine Filme wurden bei bedeutenden Festivals und in Museen gezeigt, darunter Locarno, London, die Viennale und die 35. Biennale von São Paulo. Er erhielt renommierte Auszeichnungen in FID Marseille, Pesaro und Visions du Réel. 2024 widmete ihm IndieLisboa eine umfassende Retrospektive. Aljafari unterrichtete an The New School und an der DFFB in Berlin und war Fellow am Film Study Center der Harvard University. Derzeit ist er Fellow am Institute for Ideas and Imagination der Columbia University und entwickelt Beirut 1931, einen Spielfilm, der in Jaffa gedreht werden soll.

 

Filmografie

2024 A Fidai Film
2024 UNDR
2023 Paradiso, XXXI, 108
2020 An Unusual Summer
2019 It’s a Long Way from Amphioxus
2015 Recollection
2010 Port of Memory
2007 Balconies
2006 The Roof
2003 Visit Iraq

Festivals & Preise

Label Europa Cinémas

Locarno Wettbewerb

Viennale

Material

Filmplakat

Fotos, Plakat
Trailer Vimeo, Youtube, DCP

Interviews

„Eine Kamera der Enteigneten“ - Interview mit Kamal Aljafari cargo-film