Introduction (인트로덕션)

Youngho wird in die Arztpraxis seines Vaters gerufen. Der ist mit seinen Patient*innen beschäftigt, zu denen auch ein bekannter Schauspieler gehört. Youngho muss warten. Als seine Freundin Juwon zum Studium nach Berlin geht, reist Youngho ihr hinterher, um sie zu überraschen. Durch Vermittlung ihrer Mutter wohnt Juwon im Haus einer Künstlerin, deren Schönheit sie einschüchtert. Einige Zeit später will Younghos Mutter ihren Sohn bei einem gemeinsamen Essen mit einem berühmten Schauspieler bekannt machen – es ist derselbe, dem Youngho bereits in der väterlichen Praxis begegnet ist. Youngho erscheint in Begleitung seines Freundes Jeongsoo. Nach dem Essen gehen die beiden an den Strand. Youngho schläft ein und träumt von Juwon. Er erwacht und geht trotz der Kälte schwimmen; Jeongsoo schaut ihm zu. Hong Sangsoos Film, der einem Aphorismus gleicht, ist ein poetisch-philosophisches Glanzstück. Zwei Mütter wollen ihren Kindern den Weg ins Leben ebnen, aber die entscheiden sich anders. C’est la vie. Das lebenskluge Motto, das Youngho von dem alten Schauspieler mit auf den Weg bekommt, scheint direkt von Hong selbst zu stammen: „Wie klein auch immer, es gibt nichts als Gutes!“

Spieltermine

WIEN Filmmuseum Do. 22.12.2022 18 Uhr und Mo. 09.01.2023 20:30 Uhr

 

Hong Sangsoo Retrospektive im Filmmuseum bis 9. Jänner 2023

Kinostart: 08.04.2022 u.a. im Wien Votiv KinoBurgkino , Linz Moviemento, Leokino Innsbruck, Graz KIZ Royal Kino, Villach Filmstudio, Klagenfurt Volkskino...

Pressespiegel

„Ein Glanzpunkt“ Die Presse

„Hong Sang-soo hat mit seinen fein gewobenen, an Éric Rohmer erinnernden Spielfilmen schon eine eigene Form von Dramolett kreiert.“ Der Standard

„Erfüllend, faszinierend, hypnotisch schlicht.“ Little White Lies

„Meisterwerk! Hong Sangsoos Film erreicht einmal mehr das, was das Wesen des Kinos ausmacht: eine Kunst des Zeigens, die auch eine Kunst des Denkens ist.“ Le Monde

„Eine enorme Beobachtungsgabe“ Ray Filmmagazin

Introduction behandelt die zarten menschlichen Gefühle wie ein gefährliches Mikado-Spiel.“ Le Polyester

„Es gibt nicht viele Regisseure im gegenwärtigen Weltkino, die mit einer vergleichbaren Mischung aus Leichtigkeit und Hintersinn davon erzählen, dass wir mit jeder ergriffenen Möglichkeit eine andere verpassen.“ Der Standard

Introduction is not as featherweight as it might first appear. And contrary to its title, it’s an expansion pack rather than an entry-level starter kit for the Hong Cinematic Universe.“ Variety

„Eine fesselnde Geschichte, die die Emotionen ihrer Charaktere in einem genialen Melodrama einfängt.“ Cinefilo Serial

„Hong is such a subtle artist, such a master of economy, that even the lighting of a cigarette, or a hug that looks more like two people trying not to fall over, vibrates with inner meaning.“ Screen Daily

„There is an unmistakable and mature film-making language on display: a simplicity and charm.“ The Guardian

Introduction Is Hong Sang-Soo stripping down his artistry to its simplest, most telling gesture“ The Playlist

„Even if Introduction feels like just that, an appetizer, it still offers up more to chew on than some full meals.“ Deadline

„Ein subtiles und gelungenes Werk“ Le Nouvel Observateur

Are the Kids Alright?: A Dialogue on Hong Sang-soo’s Introduction. Evan Morgan, Sean Gilman mubi

Und auch, über Hong Sangsoo, von Patrick Holzapfel: „Surrealismus und Soju“ Jugend ohne Film

Biografie

Hong Sangsoo ( 홍상수) debütierte 1996 mit seinem erstaunlichen Spielfilm The Day A Pig Fell Into The Well. Seitdem sind 28 Filme entstanden, für die Hong das Drehbuch schrieb und Regie führte. Sie alle zeichnet eine komplexe und strenge Architektur unter einer scheinbar einfachen Oberfläche aus, die durch wie zufällig wirkende Interaktionen der Figuren entsteht. Bekannt für seine einzigartige Bildsprache und seine beispiellose Filmästhetik – zählt Hong Sangsoo zu den etabliertesten Autorenfilmern des zeitgenössischen koreanischen Kinos.

 

FILMOGRAFIE
2022 Walk Up
2022 소설가의 영화 Die Schriftstellerin, ihr Film und ein glücklicher Zufall
2021 당신 얼굴 앞에서 (In Front of You Face)
2021 인트로덕션, (Introduction)
2019 도망친 여자 Die Frau, die rannte
2019 강변 호텔 (Hotel by the River)
2018 풀잎들 (Grass)
2017 그 후 (The Day After)
2017 클레어의 카메라 (Claire’s Camera)
2017 밤의 해변에서 혼자 On the Beach at Night Alone
2016 당신자신과 당신의 것 (Yourself and Yours)
2015 지금은맞고그때는틀리다 (Right Now, Wrong Then)
2014 자유의 언덕 (Hill of Freedom)
2013 우리 선희 (Our Sunhi)
2013 누구의 딸도 아닌 해원 (Nobody’s Daughter Haewon)
2012 다른 나라에서 (In Another Country)
2011 북촌방향 (The Day He Arrives)
2010 옥희의 영화 (Oki’s Movie)
2010 하하하 (Hahaha)
2009 잘 알지도 못하면서 (Like You Know It All)
2008 밤과 낮 (Night and Day)
2006 해변의 여인 (Woman on the Beach)
2005 극장전 (A Tale of Cinema)
2004 여자는 남자의 미래다 (Woman Is the Future of Man)
2002 생활의 발견 (Turning Gate)
2000 오! 수정 (Virgin Stripped Bare by Her Bachelors)
1998 강원도의 힘 (The Power of Kangwon Province)
1996 돼지가 우물에 빠진 날 (The Day a Pig Fell Into the Well)

Festivals & Preise

Viennale’21

Berlinale 2021: Silberner Bär für bestes Drehbuch
Jury-Begründung: „Dieses Drehbuch schafft mehr, als eine Geschichte zu erzählen oder die Handlung effizient voranzutreiben, indem es jene flüchtigen Zwischenräume zwischen einer Handlung und der nächsten herstellt, in denen, für einen Augenblick, eine verborgene Wahrheit des menschlichen Lebens unversehens offenbart wird, hell und klar.“

Material

Filmplakat

Fotos, Plakat
Trailer vimeo, youtube
DCP Trailer (1,6 Go)

Buch über HSS

Ende Oktober 2022 erscheint erstmals eine Buchpublikation zu Hong Sangsoo in deutscher Sprache: "Hong Sangsoo. Das lächerliche Ernste" von Sulgi Lie bei der Edition Le Studio.

 

Sulgi Lie ist Filmwissenschaftler und Theoretiker. Er ist Gastprofessor am Institut für Kunstwissenschaft und Ästhetik an der Universität der Künste Berlin. Er ist Autor von „Gehend Kommen. Adornos Slapstick: Charlie Chaplin & The Marx Brothers“ (Berlin 2022) und „Towards a Political Aesthetics of Cinema: The Outside of Film“ (Amsterdam 2020). Momentan arbeitet er an einer Studie zum Verhältnis von Technik und Körper in der Filmkomödie.

ISBN 978-3-9505312-0-6
80 Seiten
Erste Auflage 30. Oktober 2022
Erhältlich u.a. im Satyr Buchhandlung (Metro Kinokulturhaus), Österreichisches Filmmuseum und weitere
Buchhandlungen in Wien: Orlando, Hartlieb 1090, Oechsli Buch&Papier, phil, Walter König Buchhandlung im Museumsquartier
Preis: € 15,00
Bestellungen: kontakt@lestudio.at

HSS Retrospektive

Hong Sang-soo Frühe Werke
Österreichische Filmmuseum
2. bis 30. November 2022

 
Die außergewöhnliche Produktivität des südkoreanischen Regisseurs Hong Sang-soo manifestiert sich in 28 Filmen und drei Kurzfilmen in 26 Jahren: eine Welt, in die man bei unserer zweiteiligen Retrospektive eintauchen kann. Jeder der Filme ist dabei wie ein Baustein von einem Gebäude, in dem man sich in einem Taumel aus Differenzen und Wiederholungen (und Reduktionen) alsbald wieder verliert.
 
1960 als Sohn einer Filmproduzentin geboren, studierte Hong Film in Seoul und den USA. Auf dem Rückweg nach Südkorea widmete er sich einer regelrechten Filmorgie in der Pariser Cinémathèque und drehte nach einigen Regiearbeiten für das Fernsehen 1996 seinen ersten Kinospielfilm. Sein Stil ist absolut unverwechselbar, seine Filmsprache folgt ihrer eigenen Grammatik: eine Geschichte, die sich ausgehend von einem Ereignis, über das wenig bis gar nichts bekannt ist, entfaltet; eine Betonung der weiblichen Perspektive sowie der Unzulänglichkeit, Feigheit und/oder Grausamkeit der Männer; Besäufnisse, die Wahrheiten enthüllen; statische Einstellungen von sprechenden Menschen; langsame Zooms auf die Figuren in Schlüsselmomenten von langen Plansequenzen, und sehr oft eine Zäsur, mit der eine Spiegelung/Variation der Geschichte einsetzt.
 

Nach ein paar experimentellen Versuchen entschied sich Hong unter dem Einfluss von Robert Bressons Journal d'un curé de campagne (Tagebuch eines Landpfarrers, 1950) für das Erzählkino. Jahrelang trägt er Bressons Buchs Notizen zum Kinematographen als Vademecum bei sich, in dem man eine Art Manifest für Hongs Filme lesen mag: "Ein kleines Sujet kann Vorwand sein für vielfältige und tiefe Kombinationen. Meide die zu weiten oder zu entfernten Sujets, wo nichts dich warnt, wenn du dich verirrst. Oder aber nimm davon nur, was in dein Leben vermengt sein könnte und aus deiner Erfahrung kommt." Denn sowohl Hongs Protagonist*innen (Regisseure, Schriftsteller*innen, Schauspieler*innen, Uni-Professoren, Filmstudent*innen) als auch die Schauplätze (Seoul und andere koreanische Städte, Paris, wo er gelebt hat, Cannes und Berlin, wo er oft mit seinen Filmen bei Festivals zu Gast ist) sind ihm nah.
 
In ihrer angenehmen und fesselnden Weise wirken seine Filme absichtlich eher leichtgewichtig. Hong vermeidet Selbstgefälligkeiten und auffällige Ambition, er baut lieber filigrane Strukturen aus scheinbar beiläufigen, spielerischen und sardonischen Beobachtungen, um Banalitäten entwirft er eine Choreografie des Alltags in all seinen Unwägbarkeiten. Hongs Filme könnten auch als Studien der Idiotie gesehen werden, der Filmwissenschaftler Sulgi Lie spricht vom "lächerlichen Ernst".

Im November zeigen wir Hongs frühe Werke, die besser budgetiert und länger sind als die späteren Filme der 2010er Jahre. Sein Debüt ist die Romanverfilmung Daijiga umule pajinnal (The Day a Pig Fell Into the Well, 1996), deren düstere Charaktere noch vom Ende der Militärdiktatur geprägt sind und sich als feige, unreife und ignorante Männer erweisen. Wie seine Regiekollegin Claire Denis feststellte, sind Frauen die eigentlichen Heldinnen von Hongs Filmen. Schon im selbstverfassten Zweitling Kangwondo eui him (The Power of Kangwon Province, 1998) zeigt sich Hongs Freude am Spiel mit der Filmstruktur.

Während seines Studiums des experimentellen Films in Chicago hatte Hong eine Offenbarung durch ein Bild von Cézanne: "Wenn ich sein Gemälde sehe, brauche ich nichts anderes mehr". Bei Eric Rohmer findet er diese Geste Cézannes wieder: Objekte einer konkreten Situation (ein Berg, ein Baum oder eine Karaffe) verwendet er als Rohmaterial, um zur Abstraktion zu gelangen. Cézanne zeichnet die Linien zwischen einer konkreten Umgebung und einer abstrakten Konstruktion. Während Cézanne hier aufhört, wäre Picasso weitergegangen – und just diese Zwischenwelt interessiert auch Hong, der sagt: "In Kangwondo eui him und Oh! Soo-jung (The Virgin Stripped Bare by Her Bachelor, 2000) ist das Verhältnis von Konkretem und Abstraktion wasserdicht; man muss diese Filme auf zwei Ebenen sehen. Mit Saenghwalui balgyeon (On the Occasion of Remembering the Turning Gate, 2002) und Yeojaneun namjaui miraeda (Woman Is the Future of Man, 2004) habe ich diese sehr künstliche Konstruktion aufgegeben und versucht, in der Mitte zu sein."

Mit Keuk jang jeon (Tale of Cinema, 2005) wird ein neuer Zyklus eingeleitet, auch gründet Hong Sang-soo bei dieser Gelegenheit seine Produktionsfirma, Jeonwonsa. Mit Hilfe eines Films-im-Film erweitert er die formalen Möglichkeiten, fügt eine Stimme aus dem Off hinzu und führt das ein, was zu seinem Markenzeichen wird: den Zoom. Anschließend legt der von Jean Renoirs The Woman on the Beach (1947) übernommene Titel Hawbyuneui yoein (Woman on the Beach, 2006) nahe, dass Hong den von ihm verehrten Filmemachern (Bresson, Rohmer, Ozu, Buñuel, Renoir, John Ford), treu bleibt, aber der Film etabliert vor allem einen komödiantischen Impetus in seinem Werk: von Männern in einer Fantasiewelt und Frauen, die ihrer Bildwerdung zu entkommen versuchen. Ban gua nat (Night and Day, 2008) schließlich ist Hongs erster im Ausland gedrehter Film: Ein junger Maler flieht nach Paris und findet sich am Ende in einer koreanischen Gemeinschaft wieder. Jal aljido mothamyeonseo (Like You Know It All, 2009) wiederum hebt das Vertrauen von Hongs Kino in die Zuschauer*innen hervor: Seine Filme bauen ein Universum auf, in dem das Publikum besonders willkommen ist, weil ihm ein Platz in der Dramaturgie eingeräumt wird. (Pierre-Emmanuel Finzi)
 
In Kooperation mit der Botschaft der Republik Korea in Wien
 
Teil 2 dieser Retrospektive, der sich den jüngeren Arbeiten von Hong Sang-soo widmet, zeigen der Filmmuseum kommenden Dezember und Jänner.