Blutsauger – Eine marxistische Vampirkomödie


Synopsis | Info | Fotos | Bio
Festivals | Plakat | Material
Besetzung | Interview

Synopsis

SYNOPSIS NachOben

Eine marxistische Vampirkomödie über die Sehnsucht und das Kapital

August 1928. Der sowjetische Fabrikarbeiter Ljowuschka wird als Trotzki-Darsteller für den Film „Oktober » des Regisseurs Sergei Eisenstein gecastet. Doch seine Träume vom Künstlerleben platzen, als der echte Trotzki bei Stalin in Ungnade fällt und er aus dem Film herausgeschnitten wird. So flieht der romantische Träumer aus der kommunistischen Heimat und will sein Glück in Hollywood versuchen. Noch steckt er allerdings in einem mondänen deutschen Ostseebad fest, wo er als verfolgter Aristokrat verkleidet das Geld für die Überfahrt nach New York zusammenstehlen will. Bei einem seiner Streifzüge lernt er die junge Fabrikbesitzerin Octavia Flambow-Jansen kennen, die die Sommermonate mit ihrem tölpelhaften Diener Jakob am Meer verbringt. Die exzentrische Millionärin interessiert sich für den geheimnisvollen Flüchtling und bietet ihm Unterschlupf in ihrem luxuriösen Herrenhaus. Schnell fliegt seine Tarnung auf, und noch schneller hat er sich in seine schillernde Gastgeberin verliebt – sehr zum Verdruss des literarisch ambitionierten Jakob, der ebenfalls für die Chefin schwärmt. Eine sommerliche Romanze bahnt sich an – dumm nur, dass in der Gegend Vampire ihr Unwesen treiben. Und noch dümmer, das Octavia selbst ein Blutsauger ist.

Trailer

TRAILER

Info

INFO NachOben

BLUTSAUGER | D-2021 | Buch, Regie und Schnitt Julian Radlmaier
mit Alexandre Koberidze, Lilith Stangenberg, Alex Herbst, Corinna Harfouch, Andreas Döhler, Daniel Hoesl, Mareike Beykirch, Kyung-Taek Lie u. v. a. | Kamera Markus Koob | Licht Sven Meyer | Ton Andreas Hildebrandt | Musik Franui | Szenenbild Reinhild Blaschke | Locationscouts Julian Radlmaier, Markus Koob, Rüdiger Jordan, Andrea Giesel | Kostümbild Sara Wendt | Maske Christian Fritzenwanker | Postproduktion Christian Obermaier, Matthias Lempert, Dirk Meier | Aufnahmeleitung Ingo Stroot | Produktionsleitung Clara Gerst | Produzent Kirill Krasovski | WDR Redaktion Frank Tönsmann, ARTE Redaktion Birgit Kämper | Produktion faktura film GmbH in Koproduktion mit The Post Republic GmbH, Maier Bros. GmbH, Ludwig Kameraverleih GmbH

Fotos

 

Blutsauger

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Pressespiegel

PRESSESPIEGEL NachOben

„Eine Komödie zum Treibenlassen und Genießen. Das Ganze besitzt auch keine Bekehrungsaspekte für den Marxismus. Es kokettiert damit und regt eher dazu an, sich überhaupt mit dieser Lehre genauer auseinanderzusetzen.“ Blickpunkt Film

„Mit seiner dialektischen Fabel treibt Julian Radlmaier den zu seinem Markenzeichen gewordenen « ironischen Materialismus » auf die Spitze. Ideologie und Cinephilie sind die Zutaten einer formalistischen Komödie, die die marxsche Metapher vom Kapitalisten als Blutsauger wortwörtlich nimmt.“ RadioEins

„Ein ebenso souveräner wie vergnüglicher Film.“ Junge Welt

Bio

BIOGRAFIE NachOben

Julian Radlmaier, geb. 1984 in Nürnberg, ist ein deutsch-französischer Filmemacher und lebt in Berlin. Er studierte Filmwissenschaft und Kunstgeschichte in Berlin und Paris und anschließend Regie an der dffb. Währenddessen arbeitete er als Assistent von Werner Schroeter und hat filmtheoretische Schriften des französischen Philosophen Jacques Rancière übersetzt und herausgegeben. Seine zwei mittellangen Filme EIN GESPENST GEHT UM IN EUROPA und EIN PROLETARISCHES WINTERMÄRCHEN sowie der abendfüllende Abschlussfilm SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES, in dem er selbst die Hauptrolle spielt, liefen weltweit auf renommierten Festivals (u.a. Berlinale, Rotterdam, Viennale, Rio, Melbourne, FICUNAM) und wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit zwei Preisen der deutschen Filmkritik. Sein neuer Spielfilm BLUTSAUGER feiert 2021 in der Berlinale-Sektion Encounters Premiere und erhielt bereits den Deutschen Drehbuchpreis.

Filmographie Regisseur
2013  Ein Gespenst geht um in Europa
2014  Ein proletarisches Wintermärchen
2017 Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes

Festivals

FESTIVAL & AWARDS NachOben

2021 Berlinale / Selection ENCOUNTERS

2019 Berlinale / Kompagnon-Förderprei / Beste unverfilmte Drehbuch
Jurybegründung
« Extravagant. Bizarre. Hilarious. These are only three of the many notions that come to mind while reading this screenplay. Julian Radlmaier’s comedy about a fake Russian aristocrat and a real German heiress who shoot a vampire film together in 1928, full of dazzling dialogues, is a reflection on a class society which only gives access to those who, in a very literal sense, become « bloodsuckers ». The fact that his work can also be read as an ingenious essay on cinema itself, its magic and corruptibility, makes it a huge achievement. »

« Blutsauger von Julian Radlmaier ist eine elegante deutsche Komödie, die unter dem Deckmantel des Vampirfilms einen ebenso lustigen wie bissigen Kommentar zum weltweit aufkeimenden Nationalismus abgibt. Der Kompagnon-Förderpreis soll Julian Radlmaier darin unterstützen, seine unverwechselbare Handschrift als Perspektive des deutschen Kinos weit hinaus in die Welt zu tragen. »

Plakat

PLAKAT NachOben

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Material

MATERIAL NachOben

Plakat (A1 CMYK 47,6 Mo)
Fotos (5,90 Mo)

Besetzung

BESETZUNG NachOben

Alexandre Koberidze (Ljowuschka) ist ein georgischer Regisseur, der mit Julian Radlmaier an der dffb studiert hat und in allen seinen bisherigen Filmen mitgespielte. Alexandres Film LASS DEN SOMMER NIE WIEDER KOMMEN gewann 2017 den Hauptpreis des FID Marseille und den Preis der deutschen Filmkritik. Sein neuer Spielfilm WAS SEHEN WIR, WENN WIR ZUM HIMMEL SCHAUEN feiert im Wettbewerb der Berlinale 2021 Premiere.

Lilith Stangenberg (Octavia) ist eine Berliner Schauspielerin, die nach einem ersten Theater-Engagement in Zürich viele Jahre als Ensemblemitglied an der Berliner Volksbühne wirkte und dort in zahlreichen Inszenierungen von Frank Castorf zu sehen war. Vor der Kamera stand sie u.a. bei Alexander Kluge, Khavn de la Cruz, Nicolette Krebitz, Angela Schanelec, Christoph Hochhäusler und Michael Klier, arbeitete aber auch mit zeitgenössischen Künstlern wie Paul McCarthy oder Jonathan Meese. Sie erhielt den Preis der deutschen Filmkritik und den Ulrich-Wildgruber-Preis.

Alexander Herbst (Jakob) ist ein Grundschullehrer und Punk-Schlagzeuger aus Thüringen, der nach Zwischenstationen in Israel und Berlin mittlerweile in Warschau lebt. Die Hauptrolle in BLUTSAUGER ist seine erste Schauspielarbeit.

Corinna Harfouchs (Tante Erkentrud) Theaterkarriere wurde von legendären Zusammenarbeiten mit Heiner Müller, Fritz Marquardt, Frank Castorf oder Jürgen Gosch geprägt. Für ihren Auftritt in „Des Teufels General“ an der Volksbühne wurde sie 1997 Schauspielerin des Jahres. Nach dem prägnanten Beginn ihrer Filmografie bei der DEFA spielte sich auch im wiedervereinigten Deutschland viele große Rollen. Zuletzt erhielt sie den Preis der deutschen Filmkritik für ihre Darstellung in LARA.

Andreas Döhler (Dr. Humburg) ist Schauspieler und agiert nach Stationen am Thalia Theater Hamburg und am Deutschen Theater heute am Berliner Ensemble. Er hat u.a. mit Dimiter Gotscheff, Michael Thalheimer und Frank Castorf zusammengearbeitet. Im Kino war er u.a. in DIE EINZELTEILE DER LIEBE von Mirjam Bliese zu sehen, fotografiert von Markus Koob.

Daniel Hoesl (Bonin) ist ein österreichischer Filmemacher, der nach Regieassistenzen bei Ulrich Seidl mit den Spielfilmen SOLDATE JEANETTE (Tiger Award in Rotterdam) und WINWIN, sowie dem Dokumentarfilm DAVOS international für Aufsehen sorgte. Als Schauspieler hat er unter anderen schon in ANGELO von Markus Schleinzer gespielt.

Kyung-Taek Lie (Algensammler) ist ein deutsch-koreanischer Rentner und betreibt außerdem den koreanischen Mittagstisch „Dal Tokki“ in Berlin-Wedding. Er spielte bereits eine Hauptrolle in SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES.

Darja Lewin Chalem (Rosa) ist Performerin und Musikerin und lebt in Tel Aviv. Sie hat an der School of Visual Theater in Jerusalem studiert und tourt u.a. mit der Band Vulkkan Entertainment um die Welt.

Mareike Beykirch (Jewka) ist seit 2019 Ensemble-Mitglied der Münchner Kammerspiele. Vorher war sie lange eine prägende Figur am Maxim-Gorki-Theater. Sie war schon zweimal als Nachwuchsschauspielerin des Jahres nominiert.

Bruno Derksen (Bruno) ist ein Berliner Filmemacher und -pädagoge, der auch schon in SELBSTKRITIK mitspielte und in letzter Zeit durch Musikvideos für Friedrich Lichtenstein und Kasar aufgefallen ist. Er macht außerdem Kamera für die Filme Henrike Meyers. Er arbeitet auch regelmäßig mit der Kamerafrau und Dokumentarfilmerin Matila Mester (Arbeiterin Helga), die mit Julian Radlmaier an der dffb studiert hat.

Anton Gonopolski (Eisenstein) ist ein russischer Filmemacher und regelmäßiger Darsteller in den Filmen von Julian Radlmaier, den er auch beim Schnitt unterstützt. Neuerdings macht er auch erfolgreich Musik und Hörspiele mit der Band Akyn Machine.

Ludwig Sporrer (Apotheker) ist ein Filmkurator aus München und arbeitet u.a. für das dok.fest und die Filmkunstwochen.

Michael Baute (Bauer) ist Autor und Dozent, u.a. für Filmgeschichte an der dffb, dies gemeinsam mit Markus Nechleba (Arbeiter Wendehals), der auch dramaturgischer Berater für BLUTSAUGER war.

Die Wahl-Berliner Martin Hansen (Hans) und Juan Felipe Amaya Gonzales (Franz) stammen aus Australien bzw. Kolumbien und sind als Tänzer und Choreographen auf der ganzen Welt aktiv.

Christopher Kane (der eine Polizist) hat mit Julian Radlmaier an der dffb studiert und arbeitet heute in der Filmproduktion. Mit seinem Bruder, den Künstler Ira Kane, steht er regelmäßig bei Julian Radlmaier vor der Kamera, als Berliner Variante der Hergé-Polizisten Dupont et Dupond.

Mex Schlüpfer (Seemann) ist eine Legende der Berliner Volksbühne der Castorf-Ära.

Johannes Lehmann (Arbeiter Schnösl) hat an der Ernst Busch Schauspiel studiert und arbeitet heute vor allem als Musiker, z.B. als Gitarrist für Masha Qrella.

Marie Rathscheck (Prinzessin XY) ist eine deutsch-französische Schauspielerin und Ensemblemitglied in Leipzig.

Katja Weilandt (Apothekerin) ist Schauspielerin und in fast allen Filmen Julian Radlmaiers präsent.

Sara Summa (Touristin) hat an der dffb Regie studiert. Ihr Film GLI ULTIMI A VERDERLI VIVERE lief 2019 im Forum der Berlinale. Auch Antoni Schellecks (Tourist) studiert an der dffb Regie.

Alle weiteren Darsteller*innen entstammen dem persönlichen Freundes- und Bekanntenkreis der Filmemacher.

Interview

INTERVIEW NachOben

Vier Fragen an Regisseur Julian Radlmaier

Die Handlung des Films ist im Jahr 1928 verortet. Warum hast Du gerade dieses Jahr bzw. diesen Zeitpunkt in der Geschichte ausgewählt?

Das kam eigentlich auf recht merkwürdigen Wegen. In einer Eisenstein-Biografie las ich über die Entstehung des Films „Oktober“, der zum zehnjährigen Jubiläum der russischen Revolution in Auftrag gegeben worden war. Eisenstein hatte natürlich einige Szenen gedreht, in denen die Figur Leo Trotzkis auftauchte. Als er aber im Schneideraum saß, hatte jener schon den Machtkampf gegen Stalin verloren und musste folglich aus dem Film getilgt werden. So weit, so bekannt. Worauf ich nun ansprang, war ein eigensinniges historisches Detail: Der lapidare Satz, der herausgeschnittene, namenlose Trotzki-Darsteller sei im wahren Leben „eine Art Zahnarzt“ gewesen. Was, bitteschön, ist „eine Art“ Zahnarzt? Daran hat sich meine Fabulierlust entzündet und so entstand die Idee für die Figur des Ljowuschka. So war der historische Rahmen gesetzt. Natürlich bot dieser darüber hinaus interessante Fragen, die in der heutigen Zeit widerhallen: Einerseits setzt in den Zwanzigern die Enttäuschung über den real existierenden Sozialismus ein, der unsere Gegenwart noch immer prägt. Andererseits taucht der Faschismus als gewaltsame Scheinlösung gesellschaftlicher Widersprüche auf. Trotzdem ist BLUTSAUGER kein klassischer Historienfilm „über“ die Zwanziger. Und historische Parallelen sind sowieso mit Vorsicht zu genießen. Eher interessiere ich mich für bestimmte strukturelle Fragen, die gewissermaßen aus einer doppelten historischen Perspektive betrachtet werden, in der die Gegenwart die Vergangenheit verfremdet und vice versa. So ist BLUTSAUGER vor allem ein Film über die verführerische Bannkraft des bürgerlich-kapitalistischen Subjekts, über die Schwierigkeit menschlicher Beziehungen in der Klassengesellschaft, über den Zwang zur Arbeit und das Recht auf Faulheit, über die Verfügung über die eigene Zeit und den eigenen Körper, die strukturelle Funktion von Rassismus, über Abstiegsängste, Aufstiegsfantasien und die alte Frage, ob man es sich als Einzelner gemütlich machen kann in unwirtlichen Verhältnissen, ohne sich zu korrumpieren.

Das Setting im Film entspricht nicht einem historisch-authentisch ausgestatteten « period piece », es gibt beispielsweise moderne Containerschiffe am Horizont oder ein Motorrad aus dem 21. Jahrhundert. Warum hast Du Dich für diese Brüche entschieden?

Die 1920er sind ein heikles Terrain, weil sie wie kaum eine andere Epoche medial und kulturindustriell verwurstet wurden. Vor dem „Die-wilden-20er“-Fetisch mit den dazugehörigen Klischeebildern haben wir uns also gehütet wie der Teufel vor dem Weihwasser und also weitgehend auf die typischen Insignien der Zeit verzichtet. Oft verhindert die penible Rekonstruktion, in der jeder Gegenstand „Vergangenheit“ bedeuten bzw. unser Vorstellungsbild davon bestätigen soll, dass man unter diesem musealen Schleier überhaupt noch etwas konkret wahrnehmen oder denken kann. Daher haben wir in Szenografie und Kostüm immer Dinge gesucht, die uns in ihrer konkreten Gestalt interessieren und in ihrer Verweisfunktion vielschichtig sind. Hinzu kommt, dass man auf diese Art vielleicht den historischen Kraftlinien sogar gerechter wird: Die Technik- und Geschwindigkeitsfaszination der 20er zum Beispiel verkörpert die giftgrüne Kawasaki Ninja für unsere heutigen Augen sicher besser als es eine historisch korrekte Klapperkiste täte.

Im Film gibt es nicht nur zahlreiche Anspielungen auf Romane, von Proust bis zu Bram Stoker, auch in seiner in vier Kapiteln angelegten Struktur mit jeweils eigenem Erzählton klingt die Romanform an. Wie wichtig war Literatur für die Entstehung des Drehbuchs?

Sprache spielt in meinen Filmen eine wichtige Rolle, und zwar auf eine Art, die nicht versucht, typische Sprechweisen naturalistisch abzubilden, sondern eher literatische Bezugspunkte hat. Aber auch die Fabulierlust meiner Plots hat literatische Inspirationsquellen. Dabei geht es aber nicht um Vorbilder, an denen ich mich konkret abarbeiten möchte, eher um ästhetische Erlebnisse, die mir auf die Sprünge geholfen haben, die meine Lust weckten, in eine bestimmte Richtung weiterzuprobieren. Aus dieser Perspektive betrachtet kollidieren in BLUTSAUGER meine Eindrücke von drei literarischen Universen, übrigens alle aus den 1920ern: Die Figur von Ljowuschka steht für mich in Verbindung mit dem grotesken sowjetischen Schelmenroman von Ilja Ehrenburg („Das bewegte Leben des Lasik Roitschwanz“), Octavia mit Marcel Prousts Darstellungen der aristokratisch-großbürgerlichen Gesellschaft, die zwischen extremer subjektiver Verfeinerung und einer klassenspezifischen Form von Dummheit oszilliert, Jakob mit den sonderlichen Gehilfen, Dienern und Assistenten in den Romanen Robert Walsers. Das Vampir-Motiv wiederum ist nicht Bram Stoker (hab ich nie gelesen), sondern direkt dem „Kapital“ von Marx entnommen. Gleichzeitig hat das für mich nichts mit einem collagenhaften „Spiel mit Zitaten“ zu tun, denn der Versuch ist schon, trotz der Disparität der Elemente zu einer formalen Eigenständigkeit und Geschlossenheit zu kommen.

Aus Deinen bisherigen Filmen kennen wir bereits die Zusammenarbeit mit Laiendarsteller*innen, nun standen mit u. a. Lilith Stangenberg, Corinna Harfouch und Andreas Döhler bekannte « Profis » vor der Kamera. Was hat Dich daran gereizt, den Cast so zu besetzen?

Ein idealer Cast beinhaltet für mich eine möglichst reiche Palette an Spiel- und Seinsweisen. Das ist der zentrale Kern und vielleicht die demokratische Utopie meiner Filmästhetik. Ausgangspunkt meiner Besetzung sind die Lai*innen, die meist aus dem Freundes- und Bekanntenkreis stammen, weil ich hier Schattierungen und Tonalitäten finde, die es bei ausgebildeten Schauspieler*innen nicht gibt. Auch viele Teammitglieder sind zu sehen. Das ist eine Art, meine persönliche Lebens- und Arbeitsrealität in den Film zu holen. Und eine gewisse Widerspenstigkeit. Für manche Rollen hingegen eignen sich Darsteller*innen besser, die einen sehr kontrollierten, souveränen Umgang mit ihrer Sprache, ihrer Erscheinung haben. Das passt oft zu Figuren, die sich bewusst inszenieren, einen sozialen Gestus kultivieren, mit Macht assoziiert sind. Meist sind das Schauspieler*innen, die ich auf der Theaterbühne gesehen habe. Wenn diese unterschiedlichen Darstellertypen aufeinandertreffen, entsteht für mich etwas sehr interessantes, weil sie einander in ihrer spezifischen Qualität zur Geltung bringen wie Komplementärfarben.