Sie ist der andere Blick

von Christiana Perschon

Kinostart: 03.05.2019

KIZ Royal Kino Graz
Di. 30.04 18:30 Uhr in Anwesenheit von Christiana Perschon und Iris Dostal
Fr. 03.05 19 Uhr | Sa. 04.05 19 Uhr | So 05.05 14:10 Uhr | Mo. 06.05 19 Uhr | Di. 07.05 19 Uhr | Mi. 08.05 19 Uhr | Do, 09.05 17:10 Uhr | Fr. 17.05 14:10 Uhr | Mo. 20.05 16:10 Uhr

Metro Kinokulturhaus Wien
Fr. 03.05 18 Uhr Ausstellungseröfnung + 19 Uhr Film in Anwesenheit von Christiana Perschon, Lore Heuermann, Karin Mack, Linda Christanell, Margot Pilz, Renate Bertlmann und Iris Dostal.
und weiter Sa, 4.5. 20 Uhr |  So, 5.5. 18 + 20 Uhr in Anwesenheit von Christiana Perschon (Ausstellungsführung + Einführungswort) | Di. 7.5. 20:30 Uhr | Mi. 15.5. 20:30 Uhr | Do. 16.5. 18 Uhr | Fr. 17.5. 20 Uhr | Sa. 18.5. 18 Uhr | So. 19.5 18 Uhr | Do. 23.5. 18 Uhr | Fr. 24.5. 21 Uhr | So. 26.5. 20 Uhr | Mi. 29.5. 20 Uhr | Sa. 1.6. 20:30 Uhr | Mi. 5.6. 20 Uhr | So. 9.6. 19 Uhr | 10.6 18 Uhr

Stadtkino Wien
Fr. 03.05 18 Uhr | Sa. 04.05 18 Uhr | So. 05.05 20:15 Uhr | Mo. 06.05 18 Uhr | Di. 07.05 20:15 Uhr | Mi. 08.05 18 Uhr | Do. 09.05 16 Uhr | Fr. 10.05 16 Uhr | Sa. 11.05 16 Uhr | So. 12.05 12 Uhr Eine Art Matinee in Anwsenheit von Christiana Perschon, Lore Heuermann, Linda Christanell | Mo. 13.05 18 Uhr

Programmkino Wels
Fr. 03.05 18:20 Uhr | Sa. 04.05 20:15 Uhr | So. 05.05 18:15 Uhr | Mo. 06.05 18:20 Uhr | Di. 07.05 16:30 Uhr | Mi. 08.05 20:20 Uhr | So. 12.05 16:30 Uhr | Do. 16.05 16:15 Uhr | Fr. 17.05 16:15 Uhr

Filmstudio Villach Mo. 13.05 20 Uhr in Anwesenheit von Christiana Perschon | Di. 14.05 20:15 Uhr | Mi. 15.05 18:30 Uhr
Volkskino Klagenfurt Di. 14.05 19:45 Uhr in Anwesenheit von Christiana Perschon
Moviemento Linz am Fr. 17.05 16.45 Uhr | So. 19.05 20.45 Uhr | Di. 21. 05 16.45 Uhr
Cinema Paradiso Baden am 23.05 20 Uhr und 23.06 11 Uhr mit Ausstellungsführung in Kooperation mit Kunstverein Baden
LeoKino Innsbruck am 4.6 in Anwesenheit von Christiana Perschon und regulär ab 7.6
Kino im Kesselhaus Krems am 06.06 in Anwesenheit von Christiana Perschon
City Kino Steyr am 04.03.2020 19:30 Uhr

FESTIVAL & PREISE
beste Bildgestaltung Dokumentarfilm, Diagonale
Begründung der Jury (Philipp Jedicke, Jurij Meden, Seraina Rohrer): „Christiana Perschon nähert sich den Künstlerinnen und deren Werken mit bis ins letzte Detail durchkomponierten Bildern. Mit ihrer Kamera lenkt sie unseren Blick auf die Essenz der Werke und macht diese erlebbar. Ihr gelingt es, sehr unterschiedliche künstlerische Ausdrucksweisen in einem eigenen künstlerischen Ausdruck zu vereinen und schafft dadurch ein Kunstwerk mit großer Strahlkraft.“
Viennale’18, #female tracks Wels, FrauenFilmtage
DOK.fest München
12.05 16 Uhr, 14.05 19:30 Uhr, 17.05 16 Uhr, 19.05 11 Uhr

Es hängt alles von der Resonanz ab.
Wenn wir keine Resonanz kriegen, bekommen wir keine Möglichkeiten.
Dann existieren wir nicht.
Du siehst nur das, was du im Bewusstsein hast, weißt du.
Es geht darum, im Moment zu sein.
Noch Tee für dich?

Sehen kann durch den Blick der Anderen zu einer Begegnung werden. Filmemacherin Christiana Perschon läßt mit einer 16mm-Bolex-Kamera zu Beginn des Films eine Szene entstehen, die für das sensibilisiert, was zwischen Künstlerinnen und Bildträger stattfindet. Die von der Künstlerin Iris Dostal weiß grundierten Malerleinwände schaffen Projektionsflächen für die Narration im Prolog, der den Bogen zwischen der gegenwärtigen Künsterinnengeneration und deren Vorläuferinnnen spannt. Der Film geht von dem Moment aus, in dem Beobachtung, Erfahrung und Vorstellungskraft auf einen Bildträger treffen: Sei es eine grundierte Leinwand oder die lichtempfindliche Emulsion von analogem Film.
SIE IST DER ANDERE BLICK ist eine Kollaboration mit Künstlerinnen einer älteren Generation, die in den 1970er-Jahren Teil der Wiener Kunstszene sind und sich in der Frauenbewegung engagieren. Treffpunkt für den Dialog mit den Künstlerinnen – Renate Bertlmann, Linda Christanell, Lore Heuermann, Karin Mack, Margot Pilz – ist das Atelier der Filmemacherin: ein Dazwischen-Sehen, bei dem Gedanken über Selbst-bestimmtheit und Selbstverständnis im Werdegang der Künstlerinnen geteilt und ihre künstlerischen Arbeiten durch den Kamerablick in Bewegung versetzt werden. Die Protagonistinnen, die in ihrer Vorreiterinnenrolle die zeitgenössische Kunst und das Selbstverständnis von Künstlerinnen in der Gegenwart prägen, erzählen über künstlerische Ambitionen, wirtschaftliche Zwänge, Angepasstheit und Widerständigkeit gegen die vorherrschenden patriarchalen Gesellschaftsstrukturen. Mit ihren Stimmen und (frühen) Werken werden die Künstlerinnen selbst zu Bildträgerinnen einer feministisch-künstlerischen Haltung.

SIE IST DER ANDERE BLICK
DCP und BluRayDisc OF oder OmeU, Dolby 5.1,, 16:9, 90 Min, AT-2018
Drehformat: Digital, 16mm, Super8 Film
Regie, Konzept, Kamera, Schnitt, Produktion: Christiana Perschon | Zweite Kamera: Patrick Wally | Ton: Paul Porenta, Stefan Voglsinger | Filmlabor: Filmkoop Wien, Stefanie Weberhofer | Film Scan: Österreichisches Filmmuseum, Stefanie Zingl | Farbe: Matthias Tomasi | Sounddesign: Karim Weth | Tonmischung: Alexander Koller | Kollaboration mit Renate Bertlmann, Linda Christanell, Lore Heuermann, Karin Mack, Margot Pilz und Iris Dostal. Gefördert von BKA Innovative Film Austria, Wien Kultur, Land Niederösterreich Kultur, Theodor Körner Preis 2018

Trailer Vimeo, Youtube, DCP Trailer (1,65Go)
Plakat A1 (CMYK pdf) A4 (RGB jpg)
Presseheft: Deutsch, English
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PRESSESPIEGEL

„Ein fulminantes Porträt feministischer Kunstpionierinnen aus Wien. Die Idee, ein dokumentarisches Experiment über fünf visionäre österreichische Künstlerinnen als Kollaboration mit diesen entstehen zu lassen, ist ebenso gut wie selten; denn sie erfordert nicht nur Intelligenz und Respekt, sondern auch ein gewisses Maß an Demut. Die Filmemacherin Christiana Perschon besitzt all dies. » profil

Sie ist der andere Blick von Christiana Perschon ist kein Film wie jeder andere. Er ist Dokument, künstlerische Annäherung, ein mit filmischen Mitteln geführter Dialog mit kunstschaffenden Frauen einer anderen Generation. Ein sehenswerter, nicht zuletzt genauso politischer wie poetischer Film. » Falter

„Kunst der Vermittlung: Damit ist bereits eine der großen Qualitäten von Sie ist der andere Blick benannt: Als Porträtfilm begnügt er sich nicht damit, seine Protagonistinnen in Wort und Bild festzuhalten. Er begreift die Vermittlung von Kunst selbst als ästhetische Herausforderung. Perschon porträtiert mit ihrem Film Vorbilder, die zu einem eigenständigen, ja feministischen Ausdruck gefunden haben. Das schönste Kompliment macht sie ihnen damit, dass sie ihrer Maxime des Eigensinns folgt. » Der Standard

„Sie sind um das Jahr 1940 geboren und machen Kunst: für ihren Film Sie ist der andere Blick hat Christiana Perschon fünf Künstlerinnen erzählen lassen, wie sie trotz massiver Widerstände und Verhinderungsmaßnahmen als Frauen arbeiten konnten. » radio fm4 homebase

Sie ist der andere Blick zeigt Positionen feministischer Kunst mit allem Respekt und mit aller Feinfühligkeit, die den fünf Pionierinnen gebührt. » Ö1 Kulturjournal

„Mit einer außergewöhnlichen Bildsprache, die den Kunstwerken ebenso viel Raum gibt wie den Künstlerinnen und diesen Raum immer wieder mit einer gekonnten Gesprächsstille unterbricht, die einem sowohl Zeit gibt, das Gesagte zu verarbeiten, als auch die Filmbilder und leisen Töne auf sich wirken zu lassen, gestaltet Christiana Perschon in ihrem Atelier ein faszinierendes Kaleidoskop an Geschichten, Bildern, Aussagen, Interpretationen und Betrachtungen.“ ray Filmmagazin

„Weil Perschon ihre Kamera als Mittel begreift, gestalterische Möglichkeiten auszuloten, die Werke ihrer Protagonistinnen in filmische Bilder zu überführen, kreiert sie so mit den Künstlerinnen gemeinsam einen konstellativen, audiovisuellen Denkraum über Strategien der Aneignung. Sie ist der andere Blick durchdringt auf diese Weise sein Sujet, schafft exakt jene Resonanz und jenes Bewusstsein, das zur Sichtbarmachung notwendig ist. » Die Furche

„Die junge Filmemacherin steht den porträtierten Künstlerinnen in der Aussagekraft ihrer Bildkompositionen um nichts nach. Wenn die Künstlerinnen ihre Arbeit erörtern oder während Perschon sie filmt, wird Kunst innerhalb von Kunst geschaffen. » Salzburger Nachrichten

„Ein filmisches Kunstwerk über fünf außergewöhnliche Künstlerinnen“ Kek in Wien
„Ein wunderbarer, ermutigender, poetischer Film“ Artemisia Blog
„Unaufdringlich und in kontrastreichem Schwarz-weiß ereignet sich ein kleines Filmwunder mit hoch-ästhetischen, langsamen, minimalistischen Bildern abseits großer Inszenierungen.“ Volksstimme
„Christiana Perschon porträtiert in Sie ist der andere Blick, formal außerst einfallsreich, fünf Pionierinnen feministischer Kunst in Österreich.“ profil
„Digital, 16 mm, Super 8“ Augustin
„Selbstermächtigung zum Selbstporträt“ Falter

Sie ist der andere Blick

PRODUKTIONSNOTIZ

Es ist immer Gegenwart. Jede Begegnung mit einem Bild, jede Interaktion mit einem Menschen ist eine Augenblickserfahrung und sucht nach einer eigenen Form. Sie ist der andere Blick entwickelt sich aus den Begegnungen mit den Künstlerinnen einer älteren Generation und ihren in den 1970er-Jahren entstandenen Werken: ein Aufeinandertreffen verschiedener Medien, Bildsprachen und Blickwinkel. In meiner Kamera- und Montagearbeit geht es immer um Dialog, das Dazwischen und die Rolle der Kamera als Akteurin im Moment der Aufnahme. Wie sehe ich mehr als ich weiß? Die Idee der Aneignung in Form des Dialogs: sich etwas zu eigen machen, durchzieht meinen gesamten Arbeitsprozess. Der Austausch über Werke, Material, Blicke und Gesten basiert auf Empathie und ist eine feministische Strategie, um den Zeitgeist der Frauenbewegung und die Energie des Widerstands aus der Sicht der Künstlerinnen zu begreifen. Die Kamera dient als Blickwerkzeug und erzeugt eine Art Zwischen-Sicht auf die Künstlerinnen und ihr Schaffen, um das eigene Sehen und Denken in Bewegung zu setzen. Vergangenheit aktualisiert sich in der Gegenwart und Blicke werden entlang der Bildoberfläche zu Berührungspunkten. Die Kamera erzeugt damit nicht nur eine Blickrichtung, sondern ermöglicht ein gegenseitiges Wahrnehmen, ein Sehen und Gesehenwerden. Der Film schafft ein performatives Archiv durch die Interaktion mit den Künstlerinnen – als Treffpunkt für Neuschreibungen, Umverteilung von Aufmerksamkeit und für Begegnungen im Blick der Anderen.

Das Dialogische des Films manifestiert sich auf der Tonspur durch Gespräche mit den Künstlerinnen. Was eine Frau ausmacht, und somit auch eine Künstlerin, ist sozial, gesellschaftlich und diskursiv konstruiert. Die Gespräche geben Einblick in den Zeitgeist der Nachkriegszeit, die Rolle der Frau in der Gesellschaft, die Platzverweise als Hausfrau, Ehefrau und Mutter, das Studieren ohne weibliche Vorbilder, die Aufbruchstimmung und (mediale) Selbstbefreiung in den 1970er-Jahren, den Ausbruch aus einer kunsthistorisch tradierten Festschreibung von Weiblichkeit. Die Montage schafft Verbindungen und Echos zwischen den Protagonistinnen und ihren Werken durch ineinandergreifende künstlerische, persönliche und gesellschaftspolitische Sichtweisen. Zusammenhänge von Kunstpraxis, politischem Aktivismus und Privatleben zeigen sich entlang der mehrstimmigen Tonspur zu Beginn des Films und in den darauf folgenden fünf Szenenbildern. Frühe Werke – eine Fotoserie, Installation, Performance, Zeichnungen, objets trouvés – werden transformiert. Was gibt ein Objekt frei? Was kann meine Kamera- und Montagearbeit transformieren? Wie versetze ich die Kunstwerke in Bewegung? Das Nachleben der Werke berührt den Bereich der Übersetzung und Übertragung. Im Moment der filmischen Aneignung ändern die Kunstwerke als Dokumente der Zeit ihre Gestalt – durch Lichtverhältnisse, Kameraperspektive, Rekonstruktion, Animation – und thematisieren die Bedingungen des Sichtbaren und des Sichtbarmachens. Bildmaterial und Bildträger werden durch künstlerische Strategien der Aneignung filmisch re-/animiert und de-/konstruiert: ein Eintauchen in die Materialität und individuelle Beschaffenheit, ein Manipulieren ihrer Wahrnehmbarkeit. Dabei werden Arbeitstechniken der feministischen Kunstproduktion der 1970er-Jahre wie serielle S/W-Fotografie, Selbstauslöser, Dunkelkammer, Super8-Film und kinematografische Objekte wie die Leinwand und Blackbox zu tragenden Motiven der Filmsprache.

BIOGRAPHIE

Christiana Perschon lebt und arbeitet als Filmemacherin in Wien. Diplom an der Akademie der bildenden Künste Wien (Kunst und digitale Medien / Film). Sie arbeitete als Redakteurin beim ORF, im Rahmen des Projektes MenschenLeben der Österreichischen Mediathek, am Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft und als Kuratorin u.a. im Österreichischen Filmmuseum (2018 In Person: Barbara Hammer). Sie ist Mitglied der Golden Pixel Cooperative. 2019 erhielt sie für ihren ersten Langfilm den Diagonale Preis für beste Bildgestaltung, 2018 den Theodor Körner Preis für Bildende Kunst. 2014 wurde ihr Kurzfilm Noema beim Vienna Shorts Festival dreifach preisgekrönt: Bester Österreichischer Kurzfilm, Preis der Jugend Jury und Publikumspreis. Ihre Filme sind auf internationalen Filmfestivals und in Institutionen zu sehen wie Visions du Réel (CH), Kurzfilmtage Oberhausen (DE), Edinburgh International Film Festival (UK), Cork Film Festival (IRL), Jihlava IDFF (CZ), Viennale (AT), Mumok Kino Wien, Blickle Kino Belvedere 21.
www.christiana.perschon.at

 NOCH TEE FÜR DICH [Text von Claudia Slanar]

“Dem jetzt laufenden Prozeß der ausschließlichen Rentabilität, im patriarchalen System entstanden, wollen wir eine Entwicklung hin zu einem menschenwürdigen Leben entgegenstellen.” So präzise wie erschreckend aktuell formuliert 1978 die Künstlerinnengruppe IntAkt in ihrem “Femifest”. Karin Mack, eine der Protagonistinnen von Sie ist der andere Blick zitiert daraus in der Mitte des Films, während Regisseurin Christiana Perschon auf der Bildebene von einem fotografischen Selbstporträt der Künstlerin, in dem sie den Blick an die Betrachter_innen durch einen Operngucker zurück gibt, zu ihrem Schattenwurf auf weißer Wand wechselt, und schließlich zu einem unscharfen blau-grauen Bild. Langsam wird der Hintergrund dieses Bildes herausgearbeitet: Eine Ziegelmauer und grüne Bäume, gerahmt durch das immer noch verschwommene Fensterkreuz, von der Intimität des Arbeitsraumes, hinaus in die Welt …

Opazität, Unschärfe, Leere; in Perschons Porträt der Künstlerinnen einer Generation um die 80 Jahre alt geht es um viel mehr als um die Annäherung an diese und deren Lebensentwürfe, nämlich um die Frage nach der Repräsentation. Denn was ist dieser “andere Blick” – und ganz bewusst geht Perschon über den “weiblichen Blick” hinaus – der eben nicht männlich und hetero-normativ ist? Und wie könnte eine “andere” Art Filme zu machen, entgegen darstellerischer Konventionen und filmischer Codes aufzunehmen und abzubilden, aussehen?

Die US-amerikanische Regisseurin Jill Soloway bezeichnet den weiblichen Blick, also den “female gaze” in Anlehnung an die Theoretikerin Laura Mulvey, die in den 1970er Jahren den “male gaze” definiert, unter anderem als “way of feeling seeing”, also ”fühlend zu sehen” oder auch “fühlend sehend” zu sein. Diesem Vorschlag folgt Perschon auf mehreren Ebenen: Durch die engen Kollaborationen, die sie mit den Künstlerinnen eingeht; durch ihre Bildgestaltung, durch die Wechsel zwischen Farbe und Schwarzweiß, sowie analoger und digitaler Kamera, die ganz präzise gesetzt sind, wie auch durch ihren Umgang mit Ton. So beginnt Sie ist der andere Blick mit Geräuschen: der Auslöser, das Surren und das Aufziehen einer Bolex-Kamera, ein Pinsel, der über die Leinwand streicht. Die Töne sind da, bevor sich aus einem verschwommenen Grau-Weiß das erste Bild “löst” und eine Stimme anhebt, um zu erzählen. Die fünf Protagonistinnen sind vorerst nur als Stimmen präsent, während eine Frau zu sehen ist, die Leinwände weiß grundiert. Mit dieser Einführung der Künstlerinnen ohne Identifikationshilfe sucht Perschon nach anderen Möglichkeiten der biografischen Erzählung als dem konventionellen Muster der auf Singularität basierenden Künstlerviten.

Während also Lore Heuermann, Karin Mack, Renate Bertlmann, Margot Pilz und Linda Christanell von Diskriminierung, Selbstfindung und Selbstermächtigung berichten, streicht die Malerin Iris Dostal als Vertreterin einer jüngeren Generation – auch der Perschons – Bildträger mit unglaublicher Vehemenz, Regelmäßigkeit und Ruhe. Sie fungiert als Bindeglied, sie bereitet die Projektionsflächen für die kommenden Erzählungen vor. Doch diese müssen erst einmal übermalt werden, “entleert” sein, um wieder neu beschrieben werden zu können. Die darin ebenfalls enthaltene Auslöschung, oft auch das Vergessen des Gewesenen scheinen bezeichnend für den Feminismus, und die Versuche, die “Geschichtsbedeutung der Frau” (Femifest) in der nächsten Generation zu re-konstruieren, an die “mothers of invention” anzuschließen. Dieses seltsame “Vergessen” von feministischen Errungenschaften kann durchaus als Widerständigkeit des Feminismus gegenüber seiner Institutionalisierung erklärt werden. Vielleicht müssen aber auch die “anderen” Bilder, Töne, Reden durch die und mit denen erzählt werden kann, erst gefunden werden? Perschon versucht dies, in dem sie in den Kollaborationen ihre eigene Handschrift nicht verleugnet, sich auch selbst ins Bild bringt, und vor allem “ihren” Ort, ihr Atelier im Wiener WUK, für die Begegnungen mit den Frauen zur Verfügung stellt. Diese sind nun so unterschiedlich wie die künstlerischen Arbeiten selbst: spielerisch, zärtlich, bewundernd, durchaus auch distanziert.

“Du siehst nur das, was Du weißt,” meint Lore Heuermann und Christiana Perschon formuliert dies um zur Frage: ”Wie sehe ich mehr als ich weiß?” Sie antwortet darauf mit einem berührenden Schauen, einem einfühlenden Blick, der sich seiner Gegenwart und jener der Kamera bewusst ist. Um dieses Berühren geht es immer wieder auf motivischer wie sprachlicher Ebene: Materialien sind haptisch und audiovisuell erfahrbar. So streicht der Wind über Renate Bertlmanns Latexarbeiten auf der Wäscheleine und bringt sie zum Flattern. Linda Christanells Hände spielen mit Gegenständen, formen sie zu Aussagen. Der Ausruf und Aufruf Lore Heuermanns am Ende, dass es uns nicht mitgegeben sei, uns unterzuordnen, berührt wiederum auf emotionale Art und Weise. Während des Films wird der Regisseurin wiederholt Tee angeboten; eine Geste, eine “Berührung”, in der sich schließlich das radikal “Andere” einer Einladung zum gemeinsamen Gespräch, zur Kollaboration formiert, die sich dann im Dazwischen und in der Differenz ausdrücken kann.

Wenn feministisches Arbeiten bedeutet, im Kollektiv oder kollaborativ zu arbeiten, die Gesamtheit einer Erzählung, den “master narrative”, zu durchbrechen, das Fragmentarische und Unscharfe als erzählerische Kraft beizubehalten und nicht nach Auflösung zu suchen; nach einer anderen biografischen Erzählung als der der Künstlervita zu suchen, dann ist Christiana Perschons Film zutiefst und radikal feministisch.

Österr. Kinostart gefördert von:
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