Meine Frau weint
Info
DE/FR-2026, 93 Min.
Drehbuch, Regie, Schnitt Angela Schanelec | Kamera Marius Panduru RSC | Ton Rainer Gerlach | Szenenbild Sylvester Koziolek | Kostümbild Anette Guther | Maskenbild Monika Münnich, Mina Ghoraishi | Mischtonmeister Mathias Lempert | 1. Regieassistenz Lukas Hofmann | Casting Ulrike Müller | Produktionsleitung Maximillian Kraus, Marc Wächter | Oberbeleuchter Octavian Andreescu | Produzent Kirill Krasovski | Ko-Produzenten Saīd Ben Saīd, Kevin Chneiweiss, Paul Hasel | Eine Produktion von Blue Monticola Film in Koproduktion mit SBS Productions, Maier Bros. und Unitbase | Förderung: Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Mitteldeutsche Medienförderung (MDM), Deutscher Filmförderfonds (DFFF), Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB), Centre national du cinéma et de l'image animée (CNC), Filmförderungsanstalt (FFA) | Mit Unterstützung von German Films
Mit Vladimir Vulević, Agathe Bonitzer, Birte Schnöink, Pauline Rebmann, Clara Gostynski, Thorbjörn Björnsson, Laure-Lucile Simon, Ben Carter
Ein gewöhnlicher Arbeitstag auf einer Baustelle. Den 40-jährigen Kranführer Thomas erreicht ein Anruf seiner Frau: Er soll sie im Krankenhaus abholen. Dort angekommen, findet er sie allein auf einer Parkbank sitzend vor. Sie weint.
Spieltermine
Mo. 16.2 19:30 Uhr Cinemaxx 1-4 Press&Industry Screening
Mo. 16.2 21:30 Uhr Cinemaxx 1-4 Press&Industry Screening
Di. 17.2 21:45 Uhr Berlinale Palast
Mi. 18.2 12:30 Uhr Uber Eats Music Hall
Do. 19.2 10 Uhr Urania
Sa. 21.2 20 Uhr Haus der Berliner Festspiele
So. 22.2 17:45 Uhr Urania
Biografie
Angela Schanelec, geboren 1962 in Aalen, studierte Schauspielerei an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Debüt als Filmschauspielerin mit einer Hauptrolle in Christian Ziewers Historienfilm Der Tod des weißen Pferdes (1985). Bis 1991 war sie als Schauspielerin am Thalia Theater Hamburg, dem Schauspielhaus Köln, der Berliner Schaubühne und dem Schauspielhaus Bochum zu sehen. 1990 nahm sie ein Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) auf, das sie fünf Jahre später abschloss. Ihr Abschlussfilm Das Glück meiner Schwester wurde 1996 mit dem Preis der deutschen Filmkritik als "Bester Film" ausgezeichnet. Mit Filmen wie Marseille (2004) und Nachmittag avancierte sie zur wichtigsten Regisseurin der sogenannten „Berliner Schule“. Sie gewann für ihr Werk zahlreiche Preise, u. a. den Filmkunstpreis des Festivals des deutschen Films Ludwigshafen für Orly und den Silbernen Bären der Berlinale – bestes Drehbuch für Ich war zuhause, aber…. sowie für Music.
Filmographie
2026 Meine Frau weint (Regie, Drehbuch, Schnitt)
2022 Music (Regie, Drehbuch, Schnitt)
2019 Ich war zuhause, aber… (Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzentin)
2016 Der Traumhafte Weg (Regie, Drehbuch, Schnitt)
2014 Ponts de Sarajevo (Regie)
2010 Orly (Regie, Drehbuch, Produzentin)
2009 Deutschland '09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation (Regie, Drehbuch)
2009 Erster Tag (Regie, Drehbuch)
2007 Nachmittag (Regie, Darstellerin, Drehbuch, Produzentin)
2004 Marseille (Regie, Drehbuch)
2001 Mein langsames Leben (Regie, Darstellerin, Drehbuch, Schnitt)
1998 Plätze in Städten (Regie, Drehbuch, Schnitt)
1995 Das Glück meiner Schwester (Regie, Darstellerin, Drehbuch, Schnitt)
1993 Ich bin den Sommer über in Berlin geblieben (Regie, Darstellerin, Drehbuch, Schnitt)
1992 Über das Entgegenkommen (Regie)
1992 Prag, März 1992 (Regie)
1991 Schöne gelbe Farbe (Regie)
Festivals & Preise
Material



Interviews
MEINE FRAU WEINT
Gespräch mit Angela Schanelec
Ich habe das Gefühl, dass der Film wie eine offene Wunde ist, sowohl emotional als auch bildlich, diese weißen, leuchtenden Leinwände, die von intensiven, blutroten Strichen durchzogen sind. Und Worte, die wie Waffen in die Haut schneiden. Das alles, weil das Ende einer Liebe droht.
Ja, es wird klar, was Worte auslösen können, welche Macht sie haben. Ein Wort, ein Satz kann furchtbar schmerzen. Und auch zu sprechen, sich gezwungen zu sehen, zu sprechen, ist für mich ein körperlicher Zustand.
Und die weißen Wände? Sie sind sehr auffällig und ziehen sich durch den ganzen Film.
Das haben wir erst bei den Motivbesichtigungen festgestellt, dass wir die Wände weiß lassen wollen, man hat ja eher den Impuls, Wände für die Kamera abzudunkeln. Das Weiß führt zu einer Abstraktion, denke ich. Die weiße Wand ist wie eine weiße Leinwand, vor der das Geschehen noch klarer hervortritt. Und auch, dass, was passiert, einen Neuanfang erzwingt, einen Neuanfang aus dem Nichts, aus der Leere heraus. Dass man dieses Weiß und Rot so wahrnimmt, wie Du es beschreibst, liegt aber auch am Filmmaterial. Wir haben auf 35mm gedreht. Marius (Panduru, der Kameramann) hat für den ganzen Film ein Material mit hoher Empfindlichkeit vorgeschlagen.
Der Film erzählt drei Tage, wenn ich richtig gezählt habe.
Drei Tage in der Geschichte von Thomas und Carla, ja. Es ist die Geschichte dieser Tage, die Zeit geht weiter, aber der Zustand des Schmerzes verändert sich nicht.
So habe ich es auch wahrgenommen und mich gefragt, warum trotzdem keine Schwere aufkommt und ich in Momenten sogar lachen musste.
Vielleicht lacht man, weil die Verzweiflung der Figuren manchmal kollidiert mit einer profanen, gleichmütigen Umgebung. Thomas und Carla haben, nachdem ihre Liebe durch das, was geschehen ist, infrage gestellt ist, keinen Plan mehr, keine Idee, was sie tun sollen, wie ihr Leben weitergehen soll. Aber es geht ja weiter, Dinge passieren, Freunde tauchen auf, Träume kommen ans Licht.
Zum Beispiel der Regen im Tiergarten oder das Blasorchester.
Ja. Manchmal finde ich auch komisch, was man sagt, wenn man ehrlich sein will. Da musste ich auch beim Schreiben lachen. Sprache hat einfach ein Eigenleben und manchmal beherrschen wir sie nicht.
Die Freunde scheinen mir wichtig. Es besteht eine merkwürdige Einheit unter ihnen, auch eine Offenheit, eigentlich sowas wie ein Idealzustand, der ihnen ermöglicht, Dinge zu teilen.
Ja, sie sind voller Aufmerksamkeit füreinander, sie schämen sich nicht, um Hilfe zu bitten und hören sich einander zu. Ich wollte von der Bedeutung der Freundschaft erzählen. Es gibt die Liebe und es gibt die Freundschaft. Gleichzeitig gibt es eine Wirklichkeit, über die die Figuren keine Macht haben.
Was mir nicht klar war, was ist das für ein Haus, in dem sich die Freunde treffen, wer wohnt dort?
Niemand mehr. Ich dachte, einer der Freunde hat das Haus geerbt nach dem Tod der Eltern, es ist übriggeblieben und hat jetzt keine Funktion mehr. Sie benutzen es einfach, es gibt nichts vor, nur Schutz, Platz, Luft. Es hat einen Garten, der langsam verwildert. Es ist das Gegenbild zur Baustelle, wo etwas entstehen soll, was aber nie die Schönheit dessen erlangen wird, was zur gleichen Zeit vergeht.
Mit der Baustelle beginnt der Film. Es ist eine Szene in einem Büro, die das, was Du über die Freundschaft sagst, bereits vorwegnimmt. Weil Thomas wegen eines defekten Teils warten muss, entsteht ein Gespräch, von dem man nicht sagen kann, ist es banal oder existenziell, so plötzlich schlägt es um von einem zum anderen. Später ist man auch außen, der größte Teil der Baustelle ist noch unbebaut, aber die Natur ist schon zurückgedrängt, es ist eine fast kahle Fläche durchbrochen von blassem gelb und grün. Als Carla auf der Baustelle auftaucht, verschwindet sie fast darin.
Die Baustelle war der Ausgangspunkt des Films. Baustellen können eine starke Anziehungskraft ausüben, Baustellen, auf denen gearbeitet wird, Baustellen, die brach liegen... die ganzen Widersprüche, die Hoffnung und Resignation, die sichtbar wird. Das Ausmaß an Schönheit und Hässlichkeit, das durch Architektur entsteht, die Sinnlosigkeit. Die Natur, die verschwindet.
Wie in Deinem vorherigen Film Music gibt es keine Filmmusik. Die Musik tritt erst spät und unvermittelt in den Film, in dem Haus, in dem sich die Freunde treffen. Es ist Lover Lover Lover von Leonard Cohen. Wie kam es zu der Wahl des Songs?
Lover Lover Lover ist berühmt, vielleicht denkt man an ein Liebeslied, der Text ist aber geschrieben für die Soldaten im Jom Kippur Krieg, es geht darin um Identität und existenzielle Not. Es ist eine sich wiederholende Klage, ein Gebet. Das Lied hat auch mit dem Ort zu tun, das Haus wurde Ende der 60er Jahre gebaut. Es sind Schallplatten übriggeblieben, ein Plattenspieler, eben Dinge, die nicht mehr benutzt wurden. Cohen hat Lover Lover Lover 1973 geschrieben, der Architekt Heinz Nather hat in der Zeit mit seiner Familie in dem Haus gewohnt, im Nahen Osten war wieder Krieg und er hat den Song, wie es bei bekannten Songs eben ist, mit ziemlicher Sicherheit gehört. Man muss das nicht wissen, aber es hat eine Wirkung, dass die Architektur und die Musik in der gleichen Zeit entstanden sind.
Es gibt einen weiteren Bezug zum Heute, das sind die Bilder auf dem Monitor, der im Pausenraum der Bauarbeiter läuft. Es sind totale Videobilder, wie wir sie aus Livestreams kennen, man hört Schüsse, Explosionen, vereinzelt entfernte Stimmen.
Es ist ein Livestream aus dem Gaza-Krieg. Es ist eine Baustelle am Rand von Berlin, auf der Männer arbeiten, die aus Kriegsgebieten geflüchtet sind. Der Livestream läuft einfach den ganzen Tag. Fast alle Figuren, es ist besonders auffällig bei Thomas und Carla, und setzt sich dann fort, sprechen Deutsch mit mehr oder weniger ausgeprägtem Akzent, aus dem wir, zumindest teilweise auf ihre Herkunft schließen können. Ja, es gibt außer Birte Schnöink und Pauline Rebmann keine deutschen Darsteller. Für mich wurde das, je weiter ich mit der Besetzung war, ein immer entscheidenderes Element und mir ist erst langsam klar geworden, was dadurch passiert, nämlich ein bewusstes Sprechen, was die Wahrnehmung dessen, was gesagt wird, verändert. Dadurch, dass immer hörbar ist, dass sie nicht in ihrer Muttersprache sprechen, liegt ein anderes Gewicht auf ihren Worten, es gibt die Sprache als losgelöstes Element. Bei der Arbeit mit den Darstellern an den Dialogen, besonders mit Vladimir und Agathe, habe ich gemerkt, dass sich ein bestimmter Rhythmus herausbildet, der sich bei jeder Probe immer deutlicher wiederholt, wie bei Musik. Mit dem Song von Leonard Cohen geht diese Art des Sprechens dann in ein Lied über.
Es ist ein glücklicher Moment.
Ja, sie fangen an zu tanzen.
Nur Carla bleibt außen, sie sieht zu.
Carla ist untröstlich. Das ist der Titel des Films, sie weint. Erst am Ende des Films nicht mehr.
Du erzählst einen Zeitsprung. Man sieht sie ein letztes Mal, bevor der Film endet, man sieht sie essen, dann nichts mehr. Einstellungen von Essen, Nahrung, gibt es von Beginn an, die Johannisbeeren, die auf der Baustelle gewaschen werden, das rohe Gemüse auf der Arbeitsfläche, die Kirschen, die Carla kauft auf ihrer Fahrradfahrt raus aus der Stadt. Ich musste auch an den Traumhaften Weg denken, als Kenneth, bevor er seiner Mutter in den Tod hilft, weinend über seinem Teller Essen verschlingt. Auch Carla isst fast gierig und sie ist schwanger.
Ja, wie bei Kenneth ist es der Körper, der isst, essen muss.
Ich will noch über Berlin sprechen, der Film ist bis auf Bilder einer Insel, von der Thomas geträumt hat, in Berlin gedreht. Wenn man von Deutschland ausgeht, und ich denke, es war ein Interesse von Dir, auf Deutsch zu drehen, da es die Sprache ist, in der Du schreibst, scheint mir Berlin für diesen Film die einzig mögliche Wahl. Die Größe der Stadt, die Ränder und die Wege durch die Mitte, die Parks, die Baustellen, die Menschen, aus denen sich die Bevölkerung zusammensetzt.
Ich habe schon viel und oft in Berlin gedreht, oft auch aus praktischen Gründen. Diesmal habe ich Berlin anders wahrgenommen, die Stadt hat sich mir verweigert und dann wieder unerwartet geöffnet. Es war ein Kampf um Bilder, die ich manchmal vergeblich erzwingen wollte und dann doch geschenkt bekam.